Gestatten, Goldelse!

Aussichtspunkte sind eine schöne Sache: Meist verbunden mit sportlichem Treppensteigen belohnt die Mühe mit erhabenen Blicken über Stadt, Land, Fluss. Das gilt im Prinzip auch für Aussichtspunkte, die mit einem ordentlichen Schuss Nationalstolz daherkommen. Was es allerdings nicht für jeden gleichermaßen einfach macht, den schönen Blick wertfrei zu genießen. Etwa wenn man wie in Berlin mit der Siegessäule auf einem Monument steht, das mit vergoldeten Kanonen – der Beute aus blutigen Schlachten gegen europäische Nachbarn – verziert ist. Und dessen Hauptattraktion den Namen Viktoria trägt und damit für den militärischen Sieg und sonst eher wenig steht.

Strahlefrau, stolz und standfest: Die Siegessäule im Herzen des Tiergartens

Im Zentrum des Tiergartens prangt die Siegessäule auf dem Großen Stern. Gebaut wurde sie 1864 bis 1873 als Nationaldenkmal, Anlass war der Sieg Preußens im Deutsch-Dänischen Krieg 1864. Noch während der Bauzeit siegte Preußen weiter, erst gegen Österreich 1866, dann gegen Frankreich 1870/71. 1938 versetzten die Nazis den Turm auf seinen heutigen Platz und bauten auf Anordnung Hitlers gleich noch ein viertes Säulenelement ein, frei nach dem Motto: Make my Nationaldenkmal bigger!

Call me Goldelse.

Gut 50 Meter hoch ist die Aussichtsplattform des Kriegerdenkmals heute, hinauf gelangt man über eine recht enge Wendeltreppe mit 285 Stufen, die sich die Auf- mit den Absteigenden teilen müssen.

Vor dem Ausblick kommt der Stress: 285 enge Stufen in beide Richtungen

Hat man sich an den schnaufenden Touristen vorbeigezwängt, belohnt einen der fantastische Ausblick über den Großen Tiergarten, den Potsdamer Platz, das Brandenburger Tor und das umliegende Stadtgebiet.

An sonnigen Tagen gleißt die Goldelse, als wollte sie ganz allein das Schicksal der Stadt vergolden. 

Im Erdgeschoss des Monuments findet sich eine kleine, aber feine Ausstellung zur Berliner Siegessäule sowie zu anderen deutschen und weltweiten Nationaldenkmälern.

Das Modell der Siegessäule im Erdgeschoss derselben

Grüße von der Freiheitsstatue in New York

Übrigens: An den Tunneleingängen, die von allen vier Himmelsrichtungen des Tiergartens aus zur mitten auf dem Verkehrsknotenpunkt „Großer Stern“ gelegenen Siegessäule führen, stehen die wunderschön altbackenen Infotafeln, die man überall in der Stadt an klassischen Sehenswürdigkeiten findet. Ein bisschen Geschichte kann nicht schaden!

Immer wieder Anlass für Nostalgie: Die historischen Berliner Geschichtstafeln

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